Was die Oberstufe so schwer macht…
Ich habe es sehr spannend gefunden in der Unterstufe zu sein. Man bewundert irgendwie Oberstufler. Man weiß, dass sie viel wissen und psychologisch ist es natürlich spannend ältere Schüler zu beobachten. Aber damals stellte ich mir eine Frage: Was macht die Oberstufe so schwer? Was müssen Oberstufler leisten?
In der Unterstufe hat man in etwa 34 Wochenstunden. In Differenz dazu hat man in etwa 36 Wochenstunden in der Oberstufe. Nebenbei müssen Musikschüler mindestens 1 Stunde nebenbei für den Instrumentalunterricht aufbringen. Eventuell besucht man auch das Konservatorium und beginnt bereits mit einem Studium. Der Zeitaufwand steigt dabei natürlich immens (Besuch der Theoriefächer, etc.). Es fehlen noch die Wahlpflichtfächer. Pro Wahlpflichtfach muss man mit 2 Wochenstunden rechnen. Außertourliche Engagements (Mitarbeit am BRGblog, Jazzensemble, Kellertheater, Tanzen, Fahrschule, Schulsprecher, Organisation von Schulveranstaltungen, …) sind auch nicht zu unterschätzen.
Der Durchschnittstag endet also gegen 15 Uhr in der Schule. Danach ist man mit den außertourlichen Arbeiten beschäftigt. Abends trifft man sich noch mit Freunden oder hat eine(n) Freund(in). Wenn dann der Tag gegen 21 Uhr zu Ende geht, sollte man noch alle Hausübungen erledigen, für kommende Schularbeiten lernen und Kleinigkeiten erledigen, die Lehrer verlangen. Und damit komme ich zu den Erledigungen des Schülers:
Die Unterstufe unterscheidet sich stark vom Stoff zur Oberstufe. Während in der Unterstufe der Stoff vorgekaut wird und spontane Prüfung gar nicht in Frage kommen, gehen Lehrer der Oberstufe davon aus, dass Schüler immer vorbereitet sind. 4 Prüfungen, Schularbeiten oder Wiederholungen in einer Woche sind in der Oberstufe keine Seltenheit. Es ist auch kein Problem den Stoff zu lernen. Erklärt der Lehrer fehlerhaft, besteht die Möglichkeit sich die Informationen im Internet zu besorgen und anders geschriebene Erklärungen verstehen zu versuchen. Schüler haben nur selten Lernschwierigkeiten, aber den meisten geht einfach die Zeit ab. Ich unterscheide gerne zwischen 3 Ebenen.
Die erste Ebene ist die spontane (tägliche) Ebene. Am Donnerstag sagt der Lehrer eine Vokabelwiederholung an und am Freitag steht man an der Tafel. Die Planung ist unmöglich und mit solchen Verpflichtungen ist jederzeit zu rechnen. Besonders wenn man kein guter Schüler ist, ist die Bitte um einen anderen Termin sehr schwer. Die zweite Ebene ist die wöchentliche Ebene. Vor und nach Weihnachten und dann rund um den Mai sind die Schularbeiten/Test-Zeiten. Zumindest jede Woche hat man einen Test. Die Anzahl der Lernfächer (also jene, mit Schularbeit oder Test) ist in der Unterstufe wesentlich geringer und damit auch die Anzahl an Prüfungsterminen. Chemie, Geographie, Physik, Biologie, Geschichte sind nur die zu erwähnenden Nebenfächer. Lernen versucht man hierfür an Wochenenden oder schulfreien Zeiten. Die dritte Ebene ist die langfristige (monatliche) Ebene. Diese ergibt sich aus Zukunftsperspektiven. Blickt der Schüler nicht auf ein spezifisches Studium, haben die meisten Schüler auch mit der Matura genug zu tun. Jeder möchte möglichst früh mit Spezialthemen und Kernfragenausarbeitung fertig werden. Arbeitet man nicht vor, könnte es ab Februar sehr eng werden. Gearbeitet hierfür wird auch bei jeder schulfreien Zeit. Jene drei Ebenen machen den Alltag eines Schülers schwer. Überall versucht der Schüler sein bestes zu geben und möchte jeden Tag etwas zu allen 3 Ebenen beitragen.
Wie wird jetzt mit dem Stoff umgegangen? Ich denke da zB an Erörterungen, Mathematik-Beispiele oder Projekte für Nebenfächer. Jeder erlebt in der Unterstufe mit, dass alles Erfahrung ist. Jemand, der bereits unzählige Mathematik-Beispiele gerechnet und zahlreiche Erörterungen schrieb, kennt sich mit jenem Thema am besten aus. Somit hat gewonnen, wer am meisten gemacht hat. Daraus folgt wieder, dass Zeit das wichtigste ist. Die Motivation zum Üben mag vereinzelten Schüler fehlen, doch auf jene Schüler wird durch Noten oder den Lehrer Druck ausgeübt. Wer eine ToDo-Liste schreibt und alles notiert, wo er denkt, dass er dadurch viel Üben und Lernen könnte, wird sich bald den Begriff “endlose Liste” kennen lernen. Zu jeder Epoche der Literatur, Musik und Kunst lässt sich eine Zusammenfassung schreiben. Zusätzlich lassen sich die Werke der Epoche analysieren (was auch zu üben ist). Des Weiteren sollte man in Mathematik auch etwas komplexere Beispiele beherrschen. Vielleicht macht man in der Schule auch ein Thema nicht durch, welches man auf der Universität/FH/weiteren Ausbildung benötigt?! Die Sprachen erlernt man durch Anwenden und Lernen der Grammatik. Der erste Schritt für viele Schüler wäre es die alten Notizen herzunehmen und die Grammatik anständig zu lernen. Die Vokabeln könnte man bei dieser Gelegenheit auch gleich lernen. Anwenden lässt sie sich nur bedingt. Hat man keinen Experten, ist das Anwenden sehr schwer, wenn jene Sprache nicht die Muttersprache ist. Nachhilfestunden sind wiederum nur in bestimmten Situationen empfehlenswert.
Hin oder her… meine Aussage ist jene: Alles ist auf Zeit gerichtet. Während man in der Unterstufe noch durch Fähigkeiten und Motivation gehindert ist, stehen einem in der Oberstufe alle Türen offen. Und alles ist nur mehr durch Zeit begrenzt. Und die fehlt einem Schüler…
Auf den Punkt gebracht. Gratulation!
Wobei ich anmerken muss dass nach diversen Gesprächen mit Ex-Maturanten ich bemerkte, dass die wenigsten mit Spezialthemen und dem lernen für die Matura schon vor Februar anfingen.